Die Volks(bühnen)vertreter

von Esther Slevogt

5. August 2017. Was macht eigentlich Michael Müller (SPD)?, fragt man sich in diesen Tagen, in denen die Unterschriften unter die Petition gegen die Pläne des neuen Volksbühnenintendanten Chris Dercon immer schwindelndere Höhen erreichen und auch sonst der Ton in der Auseinandersetzung immer schriller wird. Im Internet, wo das neue Volksbühnen-Team zum 1. August 2017 die Social Media Accounts übernommen hat, brach sofort ein Shitstorm gegen sie los, der einen das Fürchten lehren kann. Ist Wutbürgertum das neue Bildungsbürgertum?, fragt man sich allerdings angesichts des Hasslevels, das manche Posts erreichen. Hier desavouiert sich ein Anliegen selbst. Auf die zivilisatorischen Kräfte der Kunst, insbesondere der darstellenden, darf man anscheinend nicht hoffen.

Kulturpolitisches Totalversagen

Aber zurück zu Michael Müller: Berlins Regierender Bürgermeister war in Personalunion auch Kultursenator, als ihm sein Staatssekretär Tim Renner vor drei Jahren einredete, es sei nach 25 Jahren langsam an der Zeit, am Rosa-Luxemburg-Platz etwas Neues auszuprobieren und Berlins berühmtestes Theater zur Versuchsanstalt für etwas ganz Tolles und Anderes zu machen. Was das genau sein sollte, konnte kulturpolitisch von Anfang an nicht plausibel kommuniziert werden. Doch während der Kampf, den diese in ihren Motiven bis heute nebulöse Entscheidung 2015 auslöste, immer neue Eskalationsstufen erreicht, hört man von Michael Müller: nichts.

Dabei hätte er längst Verantwortung für das entstandene Desaster zu übernehmen und sich zu der Situation verhalten müssen: um zu verhindern, dass Biografien, Karrieren und Institutionen durch dieses kulturpolitische Totalversagen weiter beschädigt werden und nicht zuletzt auch der Ruf Berlins. Dass eine Lösung gefunden wird, in der alle ihr Gesicht wahren und auch Berlin als Theaterstadt von der Kulturpolitik nicht weiter beschädigt wird. Die Petition hat bereits doppelt so viele Unterschriften wie die Berliner SPD Mitglieder. Doch Müller duckt sich immer noch weg und überlässt die Dinge sich selbst. Worauf wartet er? Dass die Eröffnungspremieren der Dercon-Volksbühne ab September unter Polizeischutz stattfinden müssen?

Mit klammheimlicher Freude

Der neue Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) hat, schon bevor er gewählt wurde und sein Amt antrat, keinen Hehl daraus gemacht, dass er ein Gegner der Entscheidung seines Vorgängers ist. Doch wenn es um diese Entscheidung geht, redet Lederer immer von Tim Renner und nie von Michael Müller, der sein eigentlicher Vorgänger im Amt gewesen ist. Da Klaus Lederer als Kultursenator außerdem die Entscheidungen um die Volksbühne nicht (wie gewollt) rückgängig machen konnte, steht auch er nun in der Verantwortung, den Schaden auf allen Seiten zu begrenzen. Muss man ihm wirklich erst erklären, dass es sich bei den Nachfolger*innen der Castorf-Volksbühne, beim Team Dercon also, auch um Schutzbefohlene der von ihm geleiteten Behörde handelt? Seine Behörde hat sie berufen und verpflichtet, wenn auch nicht er persönlich. Doch Lederer ist in dieser Frage in erster Linie ein gewählter Volksvertreter, nicht Castorfs Volksbühnenvertreter. In seiner Funktion als Kultursenator hat er die Pflicht, alle Interessen gleichberechtigt zu behandeln und nicht mit klammheimlicher Freude zu beobachten, wie die Castorf-Nachfolger immer weiter in die Defensive geraten. Denn so sieht es, mit Verlaub, momentan aus.

Aber Verantwortung will in der Berliner Politik ganz offensichtlich niemand übernehmen. Michael Müller hat scheinbar vollends verdrängt, dass er bis vor Kurzem Berlins oberster Kulturpolitiker war und damit der Hauptverantwortliche ist. Immer auf den längst im Abseits agierenden Tim Renner zu verweisen verschleiert die wirklichen Zuständigkeiten: Müller hat sich die unausgegorenen Volksbühnenpläne einreden lassen. Nun soll er bitte die Probleme auch lösen, die er damit versursacht hat.

 

Kommentare  
#1 Kommentar Verantwortung: Linkhans hempel 2017-08-05 13:16
#2 Kommentar Verantwortung: neue PerspektiveAlex 2017-08-05 14:21
Vielen Dank, liebe Frau Slevogt, für diese neue Perspektive in der Debatte!
Die jüngste "Twitter-Politik" von Lederer und Kulturausschuss-Vorsitzender Bangert unterstreicht die Verantwortungslosigkeit dieser Politiker: Dercon wird via dpa-Meldung (s. Kommentar #1), via Twitter und Facebook-Beiträgen der Politiker, erneut vor den Kulturausschuss geladen. Hier geht es offenbar mehr im die eigene Profilierung der Politiker als um gute Kulturpolitik. Die prekären Arbeitsverhältnisse vieler Künstler verdienen mindestens doppelt so viel Aufmerksamkeit. DAS wäre mal ein Thema, mit dem man sich positionieren kann.
#3 Kommentar Verantwortung: ScherbenhaufenFabi 2017-08-05 15:38
Ja, wo bleibt Michael Müller? Spätestens jetzt muss ihm klar geworden sein, dass er gefordert ist, den Scherbenhaufen wieder aufzuräumen.
#4 Kommentar Verantwortung: aufbrechendes Traumamarie 2017-08-05 15:40
danke frau slevogt. !!!:-)

sie haben es in die richtige ordnung gebracht. (ach, würden dies doch mehr ihrer kollegen tun)

doch: leider kann niemand politiker zwingen oder bewegen ihre verantwortung zu übernehmen - sie haben und nutzen ihre macht des aussitzens und schweigens und abtauchens und ALLE anderen mittel, die ihnen zur verfügung stehen (einfach) aus.

ich folge ihnen jedoch nicht, wenn auch sie die menschen, die dies nicht (einfach) hinnehmen mit dem begriff "wutbürger" belegen.

entschuldigen sie bitte, dass ich etwas allgemein geantwortet habe - doch leider ist der "fall volksbühne" ja nicht der einzige in berlin und deutschland, der nach diesem muster abläuft - jedenfalls stehen sich jetzt überschaubare personengruppen gegenüber (von denen ein großer teil schon mal gegen seine eigene regierung opponiert hat, aber "falsch" verstanden und enttäuscht wurde, von den "neuen, besseren, demokratischeren" zukünftigen versprechungen)

weder müller, noch renner, noch lederer können oder wollen diesen symbolcharakter/zusammenhang sehen ... und nun ist die "volksbühne" zu einer projektionsfläche geworden ... von der treuhand bis zur volksbühne und alles bricht auf, was an trauma, respektlosigkeit, erniedrigung, verleumdung, einseitigkeit + verdrängung in über 25 jahren ausgekippt wurde ... von der "verantwortlichen politik" ... und zwar ganz besonders in der stadt BERLIN - mit ihrer speziellen geschichte

es ist nur eine episode von unzähligen - aber diesmal medial und in der öffentlichkeit (des internets) nicht zu ignorieren ... tztztz ... das darf aber nicht sein ... vielleicht schließen "wir" die volksbühne einfach mal für 120 jahre ... so als denkmal - denn schreddern und ewig schweigen wird schwierig ... und das ist gut so.
#5 Kommentar Verantwortung: weiterhin im GesprächTorsten Woehlert 2017-08-05 16:08
Die Unterstellung klammheimlicher Freude ist, mit Verlaub, Blödsinn. Vielleicht fällt ja die Recherche schwer, weil alle Beteiligten im Urlaub sind, aber, dies sei versichert: Sie sind gleichwohl weiterhin im Gespräch. Was Lederer dazu sagt, findet man auf Facebook - hier auch der Satz, dass unter der Gürtellinie kein Raum für Auseinandersetzungen ist.
facebook.com/.../...

Ansonsten bleibt jeder für seine Social Media Kampagne selbst verantwortlich - und blamiert sich halt so gut er kann ...
#6 Kommentar Verantwortung: kein Grund für HasspostingsRosa 2017-08-05 17:13
@4: Hallo ? Die Volksbühne hat eine neue Intendanz, so what? All die ach so kapitalismuskritischen Linken regen sich nun über Markenpiraterie auf, argumentieren also selbst neoliberal und merken es nicht mal. Alexander Kluge hat bereits festgestellt, dass Dercon und Castorf sehr ähnlich sind (im Guten wie im Schlechten) und alle haben die Angebote Dercons an einer Weiterarbeit abgelehnt und so selbst die Volksbühne und ihre Gewerke massiv gefährdet. Nach 5 Jahren kann ja eine bessere/ein besserer die Volksbühne wieder übernehmen. Kein Grund für Hasspostings und identitäre Ideologie.
#7 Kommentar Verantwortung: Endlich!Johannes Mueller 2017-08-05 17:22
Endlich mal ein paar vernünftige Worte zum Thema.
Uff.
#8 Kommentar Verantwortung: Wie denn?Charlotte M. 2017-08-05 17:49
sonst wird immer auf die Politik geschimpft - und wenn es dann nicht läuft, wie man will: wird nach der Politik gerufen. Das ist eines mündigen Bürgers unwürdig.
Davon abgesehen: was soll es denn heißen, dass Müller & Lederer "die Probleme" lösen sollen. Ich finde, wenn man solche Forderung bringt, muss man wenigstens sagen, wie sie denn gelöst werden sollen/können. Das muss man von Journalisten erwarten dürfen. Dazu gehört dann Recherche, nicht nur eine Meinung haben.
Was soll die Lösung sein: Dercon entlassen, bevor er angefangen hat? Und dann?
Jede Rechereche würde zeigen, dass es so einfach nicht geht. Meinungen sind eben immer billig zu haben.
#9 Kommentar Verantwortung: die Avantgarde ist vergreistmartin baucks 2017-08-05 18:42
Schlimm ist: Wir dürfen nichts mehr dazu lernen. Wir bleiben auf dem Gewussten sitzen. Gemeinsame Fragestellungen werden nicht entwickelt. Alles rutscht ab ins Persönliche, Private. Da erbt einer einen über hundert Jahre alten Weinberg und reißt einfach die Hälfte aller Weinstöcke heraus. Und dem Rest propft er etwas auf. Er denkt nicht von den Wurzeln her. Er besteigt den Baum von oben, aus dem Himmel, nicht am Stamm entlang. Das macht ihn so fremd. Wir lernen nicht, wir werden belehrt. Die Fragen aus den verschiedenen Lagern stehen gegeneinander, folglich bleiben die Antworten aus. Wie soll da ein Müller klar kommen, der ja sein Amt als Kultursenator auch nur von Wowereit ererbt hatte? Auch er ist nicht allein schuld. Da stehen sich auf beiden Seiten historisch überkommene Fraktionen gegenüber und bekämpfen sich mit den alten Fragen und Antworten. Aber nun ist es soweit: Ein Zurück in das Alte gibt es nicht mehr. Und ein Neues ist noch nicht da. Und niemand, der es formulieren könnte. Es fehlt an Antizipation. Am Vordenken. An der Vorwegnahme. Die Avantgarde ist vergreist. Gedankenlos. Nicht ein einziger guter Aufsatz in den letzten zwei Jahren, der dieses Feld beackern wollte. Und da soll uns die Sozialdemokratie oder die Linke heraus helfen. Oder gar die Regierung, die so tief verstrickt ist mit der ebenso überkommenen Industrie. Wir werden nirgendwo mehr wirklich repräsentiert. Sowohl die Kultur-, wie auch die Parteienlandschaft ist verödet und bedingt sich gegenseitig in ihrer Stummheit. Von daher also das laute Geschrei, der Auswurf, das gebrochene Schweigen, die Fäkalisierung der Gedanken. Man befindet sich mental in einer schlechten Verfassung. Jeder meidet den Konflikt, weil er sich nicht selber erleben möchte, wie er entweder nur brüllt und heult, oder verstummt. Dieses verkürzte Kommunikationsspektrum ist unsere Vorhölle, ein Limbo, in dem wir uns nur noch tastend oder rasend bewegen können, auf Rache aus, da man das Empfinden für Lösungen verloren hat. Und der Eine hält den Anderen für noch schlimmer als den Nächsten oder Übernächsten. Man drischt aufeinander ein und erkennt darin nicht die Stagnation und Antwortlosigkeit, den Stillstand.
#10 Kommentar Verantwortung: öffentlich nachdenkenHans Zisch 2017-08-05 19:33
@8: Ein Teil der Lösung hätte sein können und könnte nach wie vor sein, dass er sein Programm im Hangar 5 des ehemaligen Flughafen Tempelhof macht und noch eine weitere Spielstätte. Letztere sollte sehr flexibel sein, was die Raumgestaltung betrifft, damit er all die vielen Formate, mit denen er vom Sprechtheater wegmöchte, erfolgreich umsetzen (lassen) kann.
Ich finde Ihre Frage "Was soll die Lösung sein?" sehr interessant. Es gibt darauf sicherlich eine Reihe von Antworten. Darüber nachzudenken sollte möglich sein, auch öffentlich. Meinen Sie nicht?

@6: Ihre Gedanke, dass die nicht mit Dercon weiterarbeitenden Volksbühnenkünstler die Gewerke der VB gefährdet hätten, unterschlägt vollkommen, wie es zu dieser Situation gekommen ist: Tim Renner hat einfach entschieden ohne einen geordneten, abgewogenen Prozess. DAS ist die Ursache. Alles andere unmittelbare und mittelbare Folge. Die Verantwortung liegt mithin nicht bei den Künstlern, sondern bei Tim Renner, auch Michael Müller und auch Chris Dercon, der die seit zwei Jahren laufenden Debatten ja schon *vor* seiner öffentlichen Nominierung hat mitbekommen können, sich aber nur an Tim Renners Entscheidung geklammert hat.
#11 Kommentar Verantwortung: man stelle sich den Aufschrei vorWolf 2017-08-05 20:15
Danke für diesen Kommentar. Ich fand es auch unerträglich wie Lederer beim Abschiedsfest der Castorf-Volksbühne am 1.7. (...) auf der Bühne Verbrüderung zelebrierte. Und dann noch mit (auf Steuerzahlerkosten?) zum Gastspiel nach Avignon flog, um fröhlich Selfies vor dem teuer und sinnlos per Schwertransport nach Avignon verladenen VB-Rad zu machen und zu posten. Wer hat den unnötigem und angesichts des Gewichts schweineteuren Hin- und Hertransport eigentlich bezahlt? Am Ende vermutlich auch wir Steuerzahler. Warum redet eigentlich niemand über diesen Verschwendungs-Skandal? Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn Dercon das gemacht hätte.
#12 Kommentar Verantwortung: abgewogenKlarer 2017-08-05 20:18
@Charlotte M. Bitte mal auf die Textsorte achten. Dies ist ein Kommentar, der muss genau alle´das was Sie fordern eben nicht! Ein Kommentar soll "nur" eine Meinung haben und die finde ich hier relativ klar und abgewogen formuliert!
#13 Kommentar Verantwortung: EntmündigungD. Rust 2017-08-05 22:51
Gut, dass Esther Slevogt auf einen Verantwortungsanteil aufmerksam macht, der momentan nicht ausgeschöpft wird.
Trotzdem darf man bitte in Erinnerung rufen: Tim Renner und der Regierende Müller waren gewählte Politker und sie haben eine Entscheidung getroffen, die von Demokraten zu respektieren ist.
Auch dann, wenn sie nicht gutgeheißen wird.

Eine Petition zu starten wie zu bewerben ist ebenfalls legitim. Sie zu einem beachtlichen Unterstützerumfang zu bringen ist möglicherweise ein Ausdruck eines repräsentativen Bürgerwillens in der Sache.
Es kann aber auch ein Ausdruck routiniert intensiver Sozial Media Arbeit sein, die mit der Sache als solcher gar nicht mehr so viel zu tun hat. Es kann auch einer gewissen kommunikativen Hysterie entspringen, die eine allgemeine Unzufriedenheit über bisher nicht kommunizierte Inhalte (wie unter #4 angedeutet) eines lange unterdrückten deutsch-deutschen Kulturkampfes stellvertretend ausdrückt.
Das haben dann Dercon und sein Team nicht verdient, abzubekommen,
weil sie in diesen Konflikt kaum Einsicht haben können. Die Konfliktparteien selbst haben ja bisher keinen rechten Einblick in ihn.

Was jedoch - unabhängig vom schwelenden und sich hier entzündenden Konflikt - wirklich niemand verdient hat, kein Publikum nirgends, ist: Dass durch bei Intendanzbeginn herausgegebene Motti seine bisherige Wahrnehmung als offenbar "falsche", sein bisheriges Leben und Erleben als offenbar "utopielos" und sein rezeptives undoder antizipatorisches Zusammengehörigkeitsgefühl als etwas rituell Negatives hingestellt werden!
Das ist bitte keine Einladung in das neu geführte Theater zu kommen, sondern das Gegenteil davon. Es ist eine B e l e i d i g u n g des bisherigen Volksbühnenpublikums und auch des Theaterpublikums in Deutschland allgemein. Eine Beleidigung des ehemaligen ostdeutschen und auch des später neuen ost-westdeutschen Publikums.
Und diese Beleidigung haben wirklich allein Chris Dercon und möglicherweise Marietta Piekenbrock zu verantworten.
Und deshalb wundert mich die Heftigkeit der Reaktionen dieses Shitstorms, den Esther Slevogt beschreibt (ich kenne ihn nicht und bin da ignorant) überhaupt nicht. Mich wundert nur, dass auf ihn in jeder Hinsicht so viel Energie verwandt wird. Darauf, ihn zu fabrizieren wie darauf, ihn wahrzunehmen und über ihn zu reden oder zu schreiben.
Der Shitstorm ist nicht das Problem, auch wenn es manche vielleicht lieber hätten, dass er das eigentliche Problem wäre.(?)
Das Problem sind die Haltungen zu demokratischen Entscheidungen und die Haltungen zu einem Publikum, die hier als nichtachtende Behauptungen aufeinander prallen.
Ich würde Chris Dercon raten, schnellstens seine anmaßenden Publikums-Unfähigkeit implizierenden Werbe-Behauptungen von der Website zu entfernen. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob jemanden gesagt wird, dass er von einem eine n e u e Utopie zu erwarten hätte oder ob jemandem gesagt wird, dass er w i e d e r eine Utopie - also etwas, das gar nicht da war, zu erwarten hätte.
Das erste zeigt an, dass etwas dem Vergangenen gleichwertig NEUES angestrengt wird und sich tapfer der vergleichenden Bewertung durch Publikum stellt.
Und das andere zeigt, dass das Alte für die Neuen aus philosophischer Sicht nichts wert war und diskriminiert - sobald das öffentlich gemacht ist - dadurch nicht nur alle, denen es etwas bedeutet hat. Sie, die Neuen, enziehen sich dadurch auch einer Alt/Neu-vergleichenden Bewertung durch Publikum per se und entmündigen bereits ihr optionales Publikum damit öffentlich...
#14 Kommentar Verantwortung: Lebendigkeit der Demokratiemarie 2017-08-06 09:12
#13
danke, liebe frau rust
sie begreifen und verstehen die zusammenhänge umfassend.

doch es gibt auch einen kommentar von jürgen kuttner, den ich persönlich als "ergänzug" zu ihrem nicht unerwähnt lassen möchte und der auf die zusammenhänge und unterschiede von großem und kleinem hinweist: selbst die "demokratie" ist zu hinterfragen und aus meiner sicht IMMER ganz besonders aus deutscher geschichte heraus, denn auch die schlimmste zeit davon wurde "demokratisch in die verantwortung" gewählt und aus dieser erkenntnis heraus, ist jeder widerstand legitim - aber ZUMINDEST diskutierbar ... und wurde an der volksbühne am rosa-luxemburg-platz immer gelebt. natürlich ist dies am be oder dt weiterhin möglich - in anderen zusammenhängen - mit anderen künstlern - jedoch steht für mich vor allem die lebendigkeit der demokratie auf dem "spielplan" ... in einem "sozialdemokratischen traditionshaus vb" ... und einer inhaltliche unterbrechung dieser idee im jahr 2017 ist einer ernsthaften auseinandersetzung wert und ja sogar verpflichtet und muß hinterfragbar sein.

"OK, Politiker können Fehler machen und OK, Politiker dürfen auch Fehler machen. Das passiert woanders und das passiert eben auch in der Politik. Aber dass es so GRUNDSÄTZLICH UNVORSTELLBAR ist, dass Politiker einen Fehler eingestehen und korrigieren, damit will ich mich, an dieser Stelle einfach nicht abfinden.

Der Einfluss eines einzelnenin Bezug auf, was weiss ich, die Geheimdienste, Snowden, den “Krieg gegen den Terror”, Banker…, die “grosse Politik” eben, ist gering. - Aber die Volksbühne - das ist nunmal “mein” Theater, Berlin ist eben meine Stadt, hier lebe ich, das ist nicht weit weg und “gross” und unbeeinflussbar."

kultura-extra.de/.../...
#15 Kommentar Verantwortung: Hey Leute!hmmm 2017-08-06 12:19
"Schlimm ist: Wir dürfen nichts mehr dazu lernen. Wir bleiben auf dem Gewussten sitzen. Gemeinsame Fragestellungen werden nicht entwickelt. Alles rutscht ab ins Persönliche, Private. Da erbt einer einen über hundert Jahre alten Weinberg und reißt einfach die Hälfte aller Weinstöcke heraus. Und dem Rest propft er etwas auf. Er denkt nicht von den Wurzeln her. Er besteigt den Baum von oben, aus dem Himmel, nicht am Stamm entlang. Das macht ihn so fremd. Wir lernen nicht, wir werden belehrt."

So was oder sowas in der Art hört man die Tage ständig in Bezug auf die Volksbühne und ja- noch mehr...
Ich verstehe vielen und stimme vielem zu außer der der Aussage, dass man auf dem "gelernten" sitzen bliebe... Das stimmt so ja nicht, denn die Chance, das vermeintlich Gelernte auf die Theaterlandschaft, die Schauspieler, Dramaturgie, Regie, etc.pp. anzuwenden, bietet sich händeringend an... aber das passiert: nichts.
Stattdessen werden die youngsters sogenannter assotiativkunst, theaterinstallation etc.pp. gepudert und gewindelt... diese shootingstars sind aber ausdruck eines kunstverständnisses von museumskuartoren wie eben dercorn einer ist... diese künstler weigern sich mehr zu machen als assotiativhäppchen aneinander zu kleben, mit coolen stages zu eröhen (die ein fremder bühnenbilder aber zeichnet und modelliert) und dazu viele zitate aus film und oper reinmonieren und sagen: HEY LEUTE!!!! WIE DOOF SEID IHR, DASS IHR DAS NICHT VERSTEH?! WIE DOOF SEID IHR, DASS IHR IMMERNOCH AUF THEATER UND SCHAUSPIELR ABFAHRT?! Wenn sich hier die Leute darüber ärgern und beinahe apokalyptische ausmaße vorhersehen, weil dercorn aus altem neu macht und das auch noch für absokut neu und toll hät, weil er ja eben nur in berlin ist und eben nicht in new york, der sollte sich mal über diverse shootingstars gedanken machen, denn dahin läuft ja unsere theaterlandschaft anscheinden hinaus...
#16 Kommentar Verantwortung: Glaube, Wahn & ZwangD. Rust 2017-08-06 13:16
#12: "...Die bisherigen Darlegungen sind Meinungen, wie fast alles im Leben, sie sollen als Hinweis auf eine mögliche Beteiligung von Psychopathologie an sozialen Mechanismen betrachtet werden. (...) Meinung ist nach Kant unzureichendes Fürwahrhalten oder nach Wundt Fürwahrhalten, dem die Sicherheit der Überzeugung fehlt. Der Meinung fehlt die subjektive Gewissheit, sie ist korrigierbar. Im Laufe der Entwicklung des Menschen und der Menschheit werden Meinungen Merkmale, wie äußere Körpermerkmale, und bekommen den Charakter von Signalen der Andersartigkeit und für Fremdheit oder Vertrautheit und Nähe oder Sicherheit. Fremdheit erzeugt Angst und Furcht, manchmal auch Anziehung oder Attraktivität. Die fremde oder andere Meinung wird zum Problem, sodass im Grundgesetz die Freiheit der Meinung festgeschrieben werden musste, ohne einen Mechanismus der Versöhnung aufzuzeigen. Der Mensch muss aber lernen, mit anderen Meinungen friedlich umzugehen und Hass zu vermeiden. Das Streben nach Macht hat das Ziel, Meinungen durchzusetzen oder aufzuzwingen, hierbei dienen Wahn, Glaube und Zwang als Faktoren der Realisierung. Die andere Meinung ist Ursache und Kern der Auseinandersetzung, Wahn, Glaube und Zwang sind Umgangsformen mit fremden Meinungen.(...)."
Zitiert aus Essay zum Vortrag "Glaube, Wahn und Zwang als soziale regulative Prinzipien" von Ralf Uebelhack, 109. Humanontogenetisches Kolloquium der Gesellschaft für Humanontogenetik; April 2016, HU Berlin
#17 Kommentar Verantwortung: Parodie einer Konterrevolutionmartin baucks 2017-08-06 13:46
@Rust

Das ist eine sehr gute Beobachtung und ihr Gedankengang gefällt mir. Nur, dass war zuvor ebenso. Auch unter Castorf gab es nur ein Drinnen und Draußen. Auch da wurde das „Richtige“ gedacht und außerhalb saß und sitzt der Feind. Von daher, und das ist das Gruselige, ändert sich ja nichts. Die selbe Struktur wird fortgesetzt mit anderen Vorzeichen. Es ist die Parodie einer Konterrevolution. Wir stecken im falschen Problem. Und von daher kann uns die Debatte nicht weiterbringen. Ob man eine esoterische oder analytische Weltsicht bevorzugt, entscheidet sich nicht in der Diskussion, sondern im Privaten, ansonsten hätte der Glaube die DDR nicht überleben können. Die Hartnäckigkeit, das Beharrungsvermögen sind die Probleme, die Cherubine, die vor der Tür stehen, die man öffnen sollte. Und zugleich schützt uns diese Sturheit vor neuen Erkenntnissen. Wir fischen lieber im Trüben, statt uns Klarheit über unsere Rolle in dem Spiel zu verschaffen. Das ist menschlich und zugleich zutiefst betrüblich, da es einem Fortschritt entgegen steht. Es ist so angenehm immer auf die selbe Stelle einzuhauen. Da weiß man was man tut und hat Übung darin. Es ist der Taumel des gegenseitigen Sadismus, der uns stets für kurze Zeit beruhigt, weil wir in dieser Triebabfuhr keine Hoffnung schöpfen müssen und stumpf bleiben dürfen bis zur Erschöpfung. Und dann ist es für einen Moment gut, bis der nächste Augenblick kommt. Und zwischen diesen beiden Zeitpunkten tritt Dercon auf und verspricht uns eine neue Sicht. Aber die Aussichten, die er einem bietet, sind frustrierend. Das kenne wir schon.
#18 Kommentar Verantwortung: was ist möglich?Charlotte M. 2017-08-06 15:22
@12 Klarer. Nein, das ist natürlich keine Frage der Textform.
"Relativ klar" und "abgewogen formuliert" kann man jede Meinung haben, zum Beispeil auch, dass die Welt eine Scheibe ist oder der Zweite Weltkrieg bloße Propaganda gewesen ist. Wenn Fakten von Meinungen getrennt werden, sind wir in Trump-Land, und ich dachte eigentlich, das sind wir hier noch nicht.
Denn zu jeder Meinung gehört Sachkenntnis, Recherche und zu Überlegen, was aus ihr folgt. Man ist immer auch verantwortlich für die Folgen von dem was man sagt. (fragen Sie mal einen Juristen, wenn es um verbale Gewalt geht).
Deshalb vermisse ich in dem Text, zumindest zu überlegen, was in der jetzigen Situation möglich ist. Kann man den Dercon-Vertrag aufheben? Was kostet das? Kann mein eigentlich irgendwas einklagen, von welcher Seite auch immer? Das sind Fragen, da muss man eben mal ein bisschen auf Fakten schauen und nicht nur "meinen".
Interessieren würde mich auch, endlich mal die Verbindungen zu sehen: was heißt es für SPD, Dercon zu wollen und was hieße es, ihn JETZT nicht mehr zu wollen oder gerade dennoch?
#19 Kommentar Verantwortung: alles ist hinterfragbarD. Rust 2017-08-06 16:10
#14. ALLES ist hinterfragbar und zwar JEDERZEIT. In einer Demokratie sollte es allerdings auch ö f f e n t l i c h hinterfragbar sein. Wenn das nicht der Fall ist - man kann schließlich durch Ausprobieren herausfinden, ob oder ob nicht - darf die Existenz einer realen Demokratie mit Fug und Recht bezweifelt werden.
#20 Kommentar Verantwortung: KlarstellungSabine Bangert 2017-08-06 16:43
Lieber Alex,
zur Klarstellung: Chris Dercon wird nicht per dpa in den Kulturausschuss geladen. Ob wir dies erneut tun, werden wir entscheiden, wenn wir im Rahmen der Haushaltsberatungen die Auswertung der Anhörung vornehmen. Was ein normales Prozedere ist und was wir im übrigen auch mit der Anhörung von Oliver Reese tun werden. Bei offenen Fragen, die es bei der Volksbühne zweifellos noch gibt, werden wir dann einen Bericht bei der zuständigen Senatsverwaltung anfordern. Auf dieser Basis entscheidet dann die Legislative. Der Kulturausschuss ist auch kein Tribunal, sondern trifft fachpolitische Entscheidungen - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
#21 Kommentar Verantwortung: bitte benennenSommerschlaf 2017-08-06 17:44
Das ist ein Kommentar mit kulturpolitischer Klarsicht, finde ich. Mich würde allerdings interessieren, welche Biografien und Karrieren Frau Slevogt genau meint, die jetzt beschädigt werden. Die alte Volksbühne geht, wie es aussieht, nahtlos im Berliner Stadttheaterbetrieb auf, da sehe ich nicht viel Beschädigung, man sehe sich nur die Spielpläne der andern großen Berliner Theater an (minus Gorki). Dass die nicht erst seit gestern im roten Bereich drehende Debatte und ihre gut vernetzten Führer nun schon seit Jahren Druck auf Künstler machen, da nicht zu arbeiten und die hinlänglich bekannte Obstruktionspolitik gegenüber der neuen Leitung ist, so denke ich, mitverantwortlich für die Unausgegorenheit, die dem halben Spielplan im Vorfeld vorgeworfen wird, nicht? Was die Rolle Lederers und Müllers angeht, gehe ich mit Frau Slevogt aber einig. Das hatten einige Kommentatoren bereits angemerkt, als Herr Lederer gewählt wurde und sofort klar machte, wo sein Volksbühnenhammer hängt.
#22 Kommentar Verantwortung: WortprotokollSusanne 2017-08-06 17:50
Liebe Frau Bangert, vielen Dank für die Klarstellun. Das Wortprotokoll der Anhörung vom 26. Juni findet man übrigens hier: parlament-berlin.de/.../.... Dort kann man alle Äußerungen von Chris Dercon und Marietta Piekenbrock sowie die anschließende Diskussion nachlesen.
#23 Kommentar Verantwortung: es ist sehr dringendmarie 2017-08-06 18:53
etwas jenseits der berliner kulturpolitik - aber ganz nah an dem "problem" der politik in deutschland 2017 - im schmelztiegel der versäumnisse - welche heute sogar die FAZ thematisiert - und ca. 16 millionen bürger des landes betreffen:


„Wir müssen den Ursachen nachgehen, warum so viele Menschen so verletzt sind“, sagt Köpping. Zu oft folgten aus damaligen Demütigungen heute Verbitterung, Feindlichkeit, Wut.
Aufarbeitung aber brauche Informationen, und auch Westdeutsche sollten verstehen, was im Osten passiert ist. Die Menschen seien zu Recht empört darüber, dass bis heute alles, was sie in der DDR geleistet haben, so schlecht wie der Staat gewesen sein soll.
Stern fragte den Kanzler, welche Fehler er bei der Wiedervereinigung gemacht habe. Kohl zögerte lange, aber sagte dann, dass er es versäumt habe, offen darüber zu reden, dass nicht alles in der DDR falsch war und im Westen nicht alles richtig. Stern, so erzählte er Jahre später, antwortete, dass diese Botschaft jedoch am dringendsten nötig gewesen wäre.
„Ich bin für Demokratieförderung zuständig, und ich nehme meinen Job ernst“, sagt sie. „Ich habe mir das Thema nicht ausgesucht, es ist zu mir gekommen. Aber jetzt gebe ich keine Ruhe. Ihr fragt, warum der Osten so tickt, wie er tickt. Wenn ihr das wissen wollt, müssen wir diese Geschichten aufarbeiten.“

"Köpping vermeidet Schuldzuweisungen, sagt, dass sie nicht wisse, ob sie als Politikerin damals alles besser gemacht hätte. Aber jetzt sei die Zeit, das Geschehen nach der Wende und das Gefühl, belogen worden zu sein, aufzuarbeiten. Denn dieses Gefühl wächst sich nicht aus, im Gegenteil: Es wird an Kinder und Enkel weitergegeben."

plus.faz.net/.../...

liebe frau bangert, sind auch dies themen für kultur+theater bei "fachpolitischen entscheidungen" - besonders in berlin?

aus meiner sicht sehr dringend ... schon seit 27 jahren

"Der Deutschlandfunk erinnerte kürzlich an ein vertrauliches Gespräch, das Helmut Kohl und der Historiker Fritz Stern in den neunziger Jahren führten. Stern fragte den Kanzler, welche Fehler er bei der Wiedervereinigung gemacht habe. Kohl zögerte lange, aber sagte dann, dass er es versäumt habe, offen darüber zu reden, dass nicht alles in der DDR falsch war und im Westen nicht alles richtig. Stern, so erzählte er Jahre später, antwortete, dass diese Botschaft jedoch am dringendsten nötig gewesen wäre."
#24 Kommentar Verantwortung: AfDDr. Rudolph Hartwig 2017-08-07 07:20
Es ist natürlich richtig, daß die Berliner Politik hier endlich eine Lösung finden muss und die Dinge nicht länger sich selbst überlassen darf. Schlecht vorbereitete Kulturauschußmitglieder allerdings werden auch nicht viel erreichen. Denn wenn man das von #22 gepostete Wortprotokoll ließt, muß man diesen Eindruck bekommen.
Völlig unverständlich allerdings ist, wieso Chris Dercon trotz der enormen Ablehnung so an seinem Stuhl klebt und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in eine ebenso unmögliche Situation bringt wie letztlich sich selbst. Er sollte sich an seinem Kollegen Jan Fabre ein Beispiel nehmen, der, nachdem er gemerkt hat, dass er in Athen massiv abgelehnt wird, die Größe hatte, sich vom Posten des Festivalleiters zurückzuziehen, ohne übrigens Schaden an seiner Reputation zu nehmen. Für Dercon und auch Marietta Pieckenbrock ist es dafür inzwischen fast zu spät.
Ich empfehle auch einmal, im Wortprotokoll der Kulturausschußsitzung Dercons Antwort an das einzige Ausschuß-Mitglied zu lesen, das überhaupt eine wirklich konkrete Frage hatte. Das war nämlich Hans-Joachim Berg von der AfD. Seine Frage: "Der Deutsche Bühnenverein hat in seiner Jahresversammlung den Kampf gegen Rechts als seinen vorrangigen Kulturauftrag definiert. Inwieweit entspricht es auch Ihrem Rollenverständnis, sich als Propagandainstrument des herrschenden politischen Gesinnungskartells zur Verfügung zu stellen?" Antwort Dercon: " I want to be free. – Das kommt aus der Popmusik, aber mir ist es ganz ernst. Ich will unbedingt frei sein. Und dann gibt es bestimmte politische Ausrichtungen, die uns eigentlich immer wieder sagen: Sie sind nicht frei! –, und damit kann ich leider nicht arbeiten. I want to be free. Ich will darüber auch zusammen mit Schauspielern und Regisseuren sprechen. Bedeutet das "gegen Rechts"? – Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass es eher bedeutet, dem Publikum zu sagen: Sei vorsichtig! Es gibt Sachen, die wir nicht mehr anhören können und wollen. – Das ist eigentlich das, was ich darüber zu sagen habe." (nachzulesen hier: parlament-berlin.de/.../...)

Dass selbst hier so wenig Konkretes zu sagen hat, ist meiner Meinung nach wirklich ein großes Problem.

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Anmerkung der Redaktion:
Chris Dercon beantwortet während der Sitzung mehrere Fragen in einem Redebeitrag. Wie und ob die Volksbühne sich als politisch versteht, erläutert er bereits in den Sätzen vor der genannten Stelle. Das hier gepostete Zitat von Dr. Rudolph Hartwig ist nicht falsch, aber es lohnt ein genauer Blick in den Text. S.12: parlament-berlin.de/.../...
miwo/Redaktion
#25 Kommentar Verantwortung: Diversitätmartin baucks 2017-08-07 11:14
Es ist nicht nur beschämend und erschreckend zugleich, dass es von Dercon und Piekenbrock kein klares Bekenntnis gegen „Die Rechten“ im Sinne von Rechtsradikalität gibt, es ist ebenso enttäuschend was Piekenbrock im Wortprotokoll zum Aufbau des Ensemble sagt. Da wird die Gefahr des vorschnellen festen Engagement bemüht und in einer zweiten Ausführung formuliert Piekenbrock tatsächlich folgende Sätze: „Das heißt, es wird ein Zusammenspiel von festen Strukturen geben, die wir jetzt weiter aufbauen müssen – das ist völlig klar, drei Stellen sind nicht genug – , und einer Flexibilität oder von Spielräumen für Gäste, die jeweils notwendig sind, weil sie so spezifisch sind, dass es eigentlich keinen Sinn macht, jetzt 14 syrische Frauen oder viele Farbige fest in ein Ensemble zu holen.“ Nur unweit von der Volksbühne entfernt wird seit einigen Jahren am Gorki erfolgreich gezeigt, warum es absolut sinnvoll war und ist syrische und „farbige“ Schauspieler und Schauspielerinnen fest zu engagieren, um Diversität, wie man sie in der Hauptstadt längst vorfinden, abzubilden, ganz unabhängig davon, ob man nun ein reines Sprechtheater oder ein Mehrspartenhaus bespielen möchte. Auch war die Volksbühne schon seit Jahren ein solches Mehrspartenhaus und wird nicht erst durch Dercon dazu gemacht. Es findet lediglich unter ihm eine Verlagerung des Schwerpunktes in Richtung Tanz statt. Und, man muss es einmal ganz deutlich sagen, es ist letztendlich noch einfacher Tänzer international zu besetzen und fest zu engagieren, da es dort in der Regel mit der Bühnensprache keine Probleme gibt, da Texte nicht der zentrale Ausgangspunkt von Tanztheater sind, wie Dercon selber ausführt. Es ist alles in allem ein unerträgliches sich Herauswinden aus Konflikten. Und das alles unter dem Vorzeichen, er, Dercon sei einzig befähigt darin empfinden zu können, wann er, beziehungsweise man sich frei fühlen könne, und der Rest der Menschheit ist irgendwie Ideologie behaftet und von daher etwas, dass „man“ sich nicht mehr anhören kann, so spricht er fast wortwörtlich. Wenn man einen solchen Freiheitsbegriff nicht eskapistisch und kapriziös nennen darf, dann kann man einfach nur noch ratlos verstummen. Und das vor Menschen, die, was die Ensemblebildung betrifft, mental weit hinter dem zurückbleiben, was in Berlin schon längst gelebt wird. Welche „ausländischen und/oder farbigen Darsteller und Darstellerinnen sind bitteschön für Berlin so oder zu spezifisch, dass sie für ein festes Engagement an der Volksbühne auszuschließen sind?! Diese Frage möchte man doch angesichts der Arbeit von Shermin Langhoff von Piekenbrock beantwortet wissen. Soviel Zeit muss sein.
#26 Kommentar Verantwortung: EntgegnungenHans Zisch 2017-08-07 13:14
@21

Sie schreiben: "Die alte Volksbühne geht, wie es aussieht, nahtlos im Berliner Stadttheaterbetrieb auf, da sehe ich nicht viel Beschädigung, man sehe sich nur die Spielpläne der andern großen Berliner Theater an (minus Gorki)"

Dass Herbert Fritsch an der Schaubühne Regie führt, während Patrick Güldenberg im Berliner Ensemble mitspielt bedeutet *mitnichten*, dass keine Beschädigung (der Castorf-VB) vorliegt. Sie verkennen, dass ein Arbeitszusammenhang an einem Haus etwas anderes ist als eine Einzelperson, ein/e einzelne/r Künstler/in usw. Die Castorf-VB funktioniert als *Gesamtes*. Deswegen ist ihr kulturpolitisch verfügtes Ende problematisch. Es geht mithin auch nicht allein um den Intendanten, sondern um das Gefüge, den Prozess.

Diesen Punkt ("Aber Castorf macht doch weiter Regie ..." etc.) haben wir auch schon oft gehört und eingeordnet. Nur weil Sie ihn wiederaufwärmen, erlaube ich mir hier zum wiederholten Male Widerspruch einzulegen.

Wenn Sie mir inhaltlich zustimmen, könnten wir uns darauf einigen, das Aber-sie-machen-doch-alle-weiter-Scheinargument in Zukunft zu unterlassen, damit wir uns nicht darin verlieren. Okay?


@25: Sie schreiben "Es ist nicht nur beschämend und erschreckend zugleich, dass es von Dercon und Piekenbrock kein klares Bekenntnis gegen „Die Rechten“ im Sinne von Rechtsradikalität gibt, [...]"

Bei aller Kritik an Dercon et al.: Ich kann überhaupt nicht feststellen, dass er und sein Team eine Tendenz zum rechten Rand haben. Null. Zero. Keineswegs! Auch nicht durch Weglassen (von Bekenntnissen). In dieser Hinsicht ist Dercon nullkommanull Vorwurf zu machen. Mein Eindruck ist, dass Dercon diesbezüglich absolut integer ist. Seine Ausführungen waren lediglich einen Schritt weiter, scheint mir.
#27 Kommentar Verantwortung: Daumenhmmm 2017-08-07 13:50
@baucks und co.:
Warum bezeiht sich eigentlich hier niemand auf meinen Kommentar, der sich ja nunmal auf Ihre bezieht und niemand ergreift die chance diese diskussion zu vergrößern auf ein gegenwärtiges phänonem in der theaterszene?
Im letzten kommentar wird shermin langhoff wie eine instanz "begriffen" was nicht nur falsch sondern auch ziemlich krass ist, angesichts der tatsache, dass es laaaaaaaaange vor ihr ausländische etc. spieler in deutschen ensembles gab und geben wird und dass dieses ding mit der postmigration eben auch nicht ihr werk war, sondern ein zug in den sie sich reingesetzt hat.. mannomann... definitiv sind die aussagen dercorns und piekenbrock mehr als geschwurbeltes leeres zeuch, dass man eben nur allzu gut von kuratorInnen und austellungskunst kennt- also wieso wundert man sich hier so dermaßen?! zudem kommt hinzu, dass theaterkritikerInnen mittlerweile ebensolchen sprech haben und diese denke in ihren Daumen-Hoch// Daumen-Unten verfahren vertreten... schauen sie sich mal die regie generation ab 30 aufwärts an... fällt ihnen da nix auf?! dercorn müsste diese leute eigentlich alles sammeln und bei sich inszenieren lassen, denn sie arbeiten in genau diesem sinne des recyclns wie dercorn und co. ja selbst...!
#28 Kommentar Verantwortung: LinkSusanne 2017-08-07 15:34
Zum Thema Diversity-Kompetenz bei Dercon empfehle ich diese kritische Auseinandersetzung mit seinem Auftritt beim Gallery Weekend:
thenorwichradical.com/.../...
#29 Kommentar Verantwortung: unverwechselbar?Sommerschlaf 2017-08-07 16:04
Meister Zisch, bitte genauer lesen, bevor Sie hier die Leute auf die Plätze verweisen. Im Text von Frau Slevogt ist die Rede von beschädigten Biografien und Karrieren, damit ist kein Gesamtzusammenhang gemeint, von dem Sie raunen, sondern Individuen. Darauf hat mein Kommentar rekurriert. Die neue Volksbühne hat personell keinen Kahlschlag gemacht, und wer ging, kam in aller Regel sofort woanders unter, in all den wunderbaren angeblich so unverwechselbaren Stadttheatern mit unverwechselbaren Künstlern.
#30 Kommentar Verantwortung: nicht adäquatmartin baucks 2017-08-07 16:49
Lieber Zisch,

vielleicht lesen sie mal die Anfrage der AFD im Wortprotokoll, auf die ich mich beziehe, das wäre erhellend für sie. Ansonsten habe ich Dercon selbstverständlich nicht in die rechte Ecke gerückt, sondern daraufhin gewiesen, dass seine Reaktion und Antwort auf die AFD Anfrage ausweichend war und vage, und keine adäquate Haltung zu der Position des Bühnenvereins.
#31 Kommentar Verantwortung: BeschädigungenHans Zisch 2017-08-07 16:52
@29: Versuch ich schon. Freue mich über Hinweise. Jut, dann ma ran an die Bouletten.

1) Stimmt, Frau Slevogt warnt vor weiteren Beschädigungen von Personen, Karrieren, Institutionen. Im Zusammenhang ihres Textes bezieht sich das aber meines Erachtens *weniger* auf Scheer, Wuttke, Rois, Castorf, Hegemann, Pollesch usw., sondern auf Dercon, Piepenbrock, deren Mannschaft, die verpflichteten Künstler sowie das "Haus" Volksbühne. Denn alle die nehmen im Moment Schaden. Teilweise mit- teilweise fremd- teilweise eigenverschuldet. (Bonusfrage: Wie kann Herr Dercon seit März 2015 in Hinblick auf die vehemente Kritik weitermachen, als ob es diese nicht gäbe? Wäre nicht auch seinem Team die Arbeit leichter/angenehmer, wenn er eine Lösung abseits der VB mitbetrieben hätte?? Schwieriges Feld, ich weiß.)

2) Insofern ist der Begriff "alte Volksbühne" mehrdeutig. Die Beteiligten Personen gibt es noch. Die Institution gibt es nicht mehr. Dass die Beteiligten anderswo arbeiten, ist erfreulich, tut aber in Hinblick auf die Institution nichts zur Sache. Die Institution ist zerstört. Dass viele Individuen der alten Volksbühne weiterarbeiten andernorts mindert nicht die historische Leistung Tim Renners, diese Institution ohne Not auf's Spiel gesetzt zu haben.

D'accord?
#32 Kommentar Verantwortung: Fragemartin baucks 2017-08-07 17:41
@27

Was bitte ändert ihre Einlassung an meiner Fragestellung in Richtung von Frau Piekenbrock?!
#33 Kommentar Verantwortung: Nachweise?Fleischmann 2017-08-07 19:45
Zu Kommentar 27:

Vielleicht wären sie so nett, 1. keinen Nebenschauplatz in dieser Diskussion etablieren zu wollen und 2. wenn Sie schon der Meinung sind, dass es weit vor Frau Langhoff etwaige Ensembles gegeben hätte, diese auch zu benennen, um Ihre fragwürdigen Feststellungen zu belegen. Meines Wissens nach ist das Gorki Theater unter besagter Intendanz tatsächlich das einzig relevante, welches in der Form diversitäre Aspekte aufgreift und wenn Sie wollen "lebt".
#34 Kommentar Verantwortung: FragenFederico 2017-08-08 06:50
Mein Kommentar, der sich mit den Begriffen, die Frau Slevogt verwendet, wird nicht ins Netz gestellt. Deshalb der Versuch Fragen an Freu Slevogt zu formulieren:

Schutzbefohlene sind im juristischen Sinne Personen unter 18 Jahren sowie solche Personen, die aufgrund Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlos sind. Bei Elfriede Jelinik, deren Stück hier mehrfach rezensiert wurde, sind es Flüchtlinge die vor Krieg und Gewalt geflohen, der Willkür des Staates ausgesetzt sind, der seiner Schutzfunktion nucht nachkommt. War es Ihre Absicht und halten Sie es für angemessen Dercons Probleme In Berlin begrifflich mit den Problemem derer, die vor Krieg und Gewalt fliehen ein eins zu setzen?

Sie übertitel den Abschnitt zu Lederer mit "klammheimlicher Freude". Ist Ihnen bekannt, dass dieser Begriff 1977 im Zusammenhang mit dem Mord am damaligen Generalbundesanwalt Buback verwendet wurde? Meinen Sie, dass sie diesen Begriff in dem Zusammenhang in dem er in Ihrem Text steht (Wutbürger, Polizeischutz, Hass) "unschuldig" verwenden kann?.
#35 Kommentar Verantwortung: Normcoreundsoweiter 2017-08-08 08:55
#25
Meines Erachtens ist "Normcore" der passende Begriff. Es geht nicht mehr um Individualität, Diversität oder Exzellenz. Alles ist (ideologisch) gleichwertig und damit maximal flexibel.

Dabei ergibt es nur vordergründig ein vereintes, befreites Bild. Ohne Diskurs keine (soziale) Mobilität. Es geht dann nur noch um Aussehen, Familie/ Klasse, Agressivität beim Jagen nach Aufträgen-

Wir sind alle gleich. Hier muss niemand Leiden, aber wenn fall' damit nicht aus der Reihe, zeige stille Größe. Womit wir bei Anne Imhof wären (die das meiner Meinung nach sehr gut thematisiert hat), oder bei Johann Joachim Winckelmann, je nachdem.

Dank übrigens für Ihren Beitrag an anderer Stelle zur autokratischen Weltsicht. War sehr gut.
#36 Kommentar Verantwortung: zur WortwahlEsther Slevogt 2017-08-08 10:01
#34

Lieber Frederico,

zu Ihren Fragen:

1: Den Begriff „Schutzbefohlene“ habe ich natürlich rhetorisch verwendet. Sein semantischer und literarischer Resonanzraum sollte der Verdeutlichung dienen. Da ich einen Kommentar und keinen juristischen Schriftsatz und auch keine öffentliche Eingabe verfasst habe, sondern eben einen Kommentar (auf einer Theaterseite), halte ich das für ein legitimes Stilmittel. Dass das Team Dercon nun dort ist, wo es sich aktuell befindet, ist eine kulturpolitische Entscheidung gewesen. Die Volksbühne wurde ja nicht widerrechtlich besetzt. Da der nun amtierende Senator die Entscheidung seines Vorgängers nicht mehr hat rückgängig machen können, haben auch Dercon und sein Team den Anspruch auf seinen Schutz als oberster Dienstherr. Die gegen sie und ihre Mitarbeiter*innen gerichtete Aggression nimmt ja spürbar zu. In wieweit Marietta Piekenbrock und Chris Dercon daran eine Mitschuld tragen, wenn sie gegen allen Widerstand (und über 36. 000 Petitionsunterschriften) in völliger Dialogunfähigkeit mit der Stadt, für die sie angeblich Theater machen wollen, sich weiterhin an die Entscheidung des damaligen Kultursenators Michael Müller und seinen Staatssekretärs Tim Renner klammern, war nicht Gegenstand meines Kommentars: sondern von der Politik zu fordern, dass sie endlich Verantwortung übernimmt, den Konflikt zu lösen, den sie mit ihren Entscheidungen zur Volksbühne verschuldet hat, bevor dieser Konflikt weiter eskaliert.

2: Natürlich ist mir die Verwendung des Begriffs „klammheimliche Freude“ im Kontext des sogenannten Göttinger Mescalero-Briefes bekannt. Aber diesen Begriff, der erst einmal nichts anderes als Schadenfreude bedeutet, zu der man sich allerdings nicht öffentlich bekennen möchte, gab es bereits vorher und er wurde auch nach 1977 weiter verwendet.

Viele Grüsse, Esther Slevogt
#37 Kommentar Verantwortung: Wutbürgermarie 2017-08-09 09:33
liebe frau slevogt, sie schrieben ihren text am 5.8. und ich widersprach ihrer "wutbürger"-zuschreibung. seitdem gibt es viele kluge nachfragen und kommentare auf facebook, auf welche KEINE EINZIGE antwort aus dem neunen vb-team zu lesen ist. immerhin wurden einige aktuelle fotos über die (proben)arbeit eingestellt. leider wurden diese mit kommentaren von "dercon-unterstützern" flankiert, die sehr genau in der linie des ursächlichen inhaltlichen anliegens genau DAGEGEN sich zu äußern ihre volle berechtigung in "demokratisch+humanistischen" dialog geradezu harausfordern, um diese diffamierenden entgleisungen nicht einfach schweigend hinzunehmen.


"das obermiese volk" und ein "angeblich intellektueller mob" als bezeichnung von inhaltlicher kritik mit 35.000 petitionsunterstützern zeigt, dass alle befürchtungen berechtigt sind und jeder verweis auf "abwarten" ein angriff auf den gesunden menschenverstand sind, der mit widerspruch hier sehr klar die tendenz erfaßt, die es zu thematisieren und möglichst zu korrigieren gilt.


diese hater sind hier am werk und bekommen oberwasser, wenn die zuschreibungen (leider auch ihrer einordnung der kritiker) verwechselt und nicht klar analysiert werden. soll dies so in die geschichte der tradition von piscator-brecht-müller-castorf eingehen?


wie sich die kulturpolitische verantwortung dazu positioniert, werden "wir" sehen - gegen menschenverachtende argumente bzw. im nebulösen gelassene inhaltliche statements MUSS - ja genau um der ZUKUNFT willen eine öffentliche diskussion stattfinden ... es ist für mich unfassbar, wie die o.g. "gesprächskultur" DIE kultur vertreten soll, und sich dazu voll "berechtigt" fühlt ... den die "wutbürger" sind ja (nochmals: leider auch von ihnen) schon als die vertreter der volksbühne am roso-luxemburg-platz eingeordnet worden ... doch es ist nicht das ende der geschichte ... die geht immer weiter und sieht heute nach 4 tagen schon viel klarer aus
#38 Kommentar Verantwortung: Ernst der LageEsther Slevogt 2017-08-09 10:39
Liebe Marie,

der Begriff bezog sich nicht auf die Kritiker*innen dieser Volksbühnenentscheidung insgesamt, zu denen ja bekanntermaßen auch ich gehöre.
Mich hat nur das Ausmaß des Hasses einiger verstört, das ich dieses wichtigen Anliegens unwürdig empfand.
Der Begriff sollte auch den Ernst der Lage insgesamt verdeutlichen und den politischen Handlungsbedarf deutlich machen, der sich aus der immer weiter eskalierenden Lage ergibt.
Doch das Wort "Wutbürger" sollte natürlich nicht die Mehrheit derer bezeichnen (oder gar kränken), die sich öffentlich gegen die desaströsen SPD-Entscheidungen um die Volksbühne positionieren.

Viele Grüsse, Esther Slevogt
#39 Kommentar Verantwortung: NachrichtSusanne 2017-08-09 15:18
Und was machen wir jetzt mit dieser Nachricht?

koelner-abendblatt.de/.../...


---
Liebe Susanne,
das ist ein Fake-Artikel. Beachten Sie das Kleingedruckte unter dem Artikel: "Dieser Zeitungsartikel wurde mit Paul Newsman erstellt. Hier kann jeder innerhalb von Sekunden kostenlos Fake- oder Satireartikel in verschiedenen fiktiven Magazinen veröffentlichen. Daher solltest du diesen Artikel auf gar keinen Fall ernst nehmen oder als seriöse Quellenangabe nutzen. Sofern du diesen Artikel für unangebracht hältst, kannst du ihn melden ..."
Viele Grüße
miwo/Redaktion
#40 Kommentar Verantwortung: ein Stückchen WahrheitIrmela Kammelt 2017-08-09 18:45
Liebe Redaktion,
hier eine etwas präzisere Version meines Kommentars.
Die Veranstaltung war der Stammtisch des BFFS, eingeladen waren Bundestagskandidaten der Grünen, Tabea Rößner, der Linken, Harald Petzold, der SPD, Tim Renner, und Carl Grouwet von der FDP.
In der Diskussion, die von Sven Rothkirch moderiert wurde, sagte Tim Renner, dass Chris Dercon einen Dreijahresvertrag hätte. Insofern ist das in dem Satireartikel zu Kommentar 39 nicht aus der Luft gegriffen. Renner erwähnte aber nichts von einer nachträglichen Veränderung, die Worte "in beiderseitigem Einvernehmen von 5 auf vorerst 3 Jahre reduziert worden" fielen jedenfalls nicht auf dem Podium.
Überall in der Presse wird die Vertragsdauer mit 5 Jahren angegeben. Warum sollte das nicht stimmen? Auch zu anderen Aussagen Tim Renners in dieser Veranstaltung zum Thema Volksbühne kann man anderer Ansicht sein. Er wiederholte jedenfalls nur das, was er seit dem Bekanntwerden der Berufung Dercons zum Castorf-Nachfolger erklärt hat. Und zusätzlich dies: Der in seinen Augen mutige Versuch solle doch gestartet werden, sollte es nicht gelingen, könne man das Experiment ja abbrechen und etwas Anderes machen. Das so sinngemäß, Renners Begriff "Experiment" in dem Zusammenhang wurde dann noch kritisch von einigen Anwesenden diskutiert.
#41 Kommentar Verantwortung: falsches Signal zur Eröffnungmartin baucks 2017-08-10 13:34
Nun ist sie also da, diese ganz und gar mumpfige, gedämpfte Stimmung. Nicht einmal mehr schimpfen darf man. Ich bin aber immer noch zu tiefst getroffen und verärgert, um es einmal im Jargon der neuen Volksbühne zu sagen, Frau Slevogt. Was soll ich tun? Meinen Ärger herunter schlucken, wenn ich die neueste Pressemitteilung von Ehmann lese? Müller ist mir egal. Von dem erwarte ich mir gar nichts. Ich bin verletzt. Ich wurde und werde hintergangen. Da steht dann da plötzlich in der Pressemitteilung, dass „fou de danse“ schon zwei Mal in Rennes gezeigt wurde und ein Mal in Brest, aber das Charmatz die Veranstaltung nun auf Berlin zuschneidet. Auch „A dancer´s Day“ wurde schon in Manchester gezeigt. Und „danse de nuit“ ebenfalls schon in Genf, Wien, Poitiers, London und Amsterdam. Was macht Charmatz? Etwas speziell zuschneiden für den jeweiligen Stadtraum und die Gemeinschaften?! Er richtet ein Gastspiel in Berlin ein, so nennt man das in der Fachsprache. Auch ist er kein „fest assoziiertes“ Mitglied der künstlerischen Leitung. Er ist ein Gast am Haus. Werden jetzt aus festen Ensemblemitgliedern „fest assoziierte Ensemblemitglieder“?! Ist das das neue Bild für ein Ensemble?! - Nein! Boris Charmatz richtet als Gast des Hauses drei Gastspiele am Hanger 5 ein, so müsste das korrekt heißen. Er zeigt eine kleine Werkschau von sich und die stellt den Eröffnungsreigen der neuen Volksbühne dar. Nichts was spezifisch auf Berlin zugeschnitten wäre. Und er wird alle diese Abende auch danach in anderen Städten zeigen. Sie machen nur mal kurz Station in Berlin. Das ist alles und kein Programm für die Volksbühne und ich bin immer noch schlimm verärgert. Es schmerzt, es tut immer noch weh. Und wer gerne einmal vorab betrachten möchte, was da auf Berlin „zugeschnitten“ werden soll, der betrachte dieses kleine Video aus Rennes. (www.youtube.com/.../) Dort kann man sehen, dass es in diesem Gewusel von Tanzanimation im öffentlichen Raum gar nichts zuzuschneiden gibt, denn der Vorgang ist nur bedingt steuerbar oder gar zu gestalten. Es ist eine Art Flashmob, eine gehobene Polonaise. Mehr nicht. Und ich ärgere mich zurecht darüber, dass mir so etwas als Eröffnungspremiere für die Volksbühne verkauft wird. Verstehen sie mich nicht falsch, Frau Slevogt. Ich habe nichts, aber rein gar nichts gegen solche Veranstaltungen, wenn sie im richtigen Format realisiert werden, beispielsweise bei „Tanz im August“. Die Volksbühne ist der falsche Ort. Es ist das falsche Signal zu Eröffnung.
#42 Petition Volksbühne: Experiment?Susanne 2017-08-10 18:58
Es scheint mir bezeichnend, dass nun der Hauptverantwortliche für die Entscheidung, Dercon zu berufen, alles zu einem bloßen "Experiment" erklärt, dass man dann auch abbrechen könne. Kann man 20 Millionen Subventionen im Jahr mit einem "Experiment" rechtfertigen? Hat Renner jetzt etwa im Wahlkampf und angesichts des Drucks der 36.ooo Unterschriften unter der Petition das Bedürfnis, sich von einer selbst als falsch erkannten Entscheidung zu distanzieren? Und ist der Vertrag, über den er doch sicher gar nicht sprechen darf, vielleicht viel fragiler, als es immer dargestellt wird? Oder erinnert sich Renner inzwischen nicht einmal an die Laufzeit des Vertrages, den er Dercon gegeben hat? Oder will er Dercon indirekt den Rat geben, das Experiment selbst zu beenden? Das paßt zu einem Post auf der Facebook-Seite der "Volksbühne Berlin": "Zitat Tim Renner, gestern abend in einer Wählerdiskussion: 'ich an Dercons Stelle hätte schon längst aufgegeben, eigentlich müßte man die Politik zur Verantwortung ziehen.'" Zieht er sich hier etwas selbst zur Verantwortung? Ist er bereit, die Verantwortung zu übernehmen? Wir sind gespannt auf ein Statement!

Von einem "Experiment" hat übrigens auch auch Marietta Piekenbrock bei der Anhörung vor dem Kulturausschuss gesprochen ("was wir vom Senat erwarten, dass dieses Experiment erst einmal beschützt wird").
#43 Kommentar Verantwortung: FehlgriffSusanne 2017-08-10 19:09
Renner: „Ich kann nicht ausschließen, dass Dercon ein totaler Fehlgriff war, aber es könnte sich genauso gut als Volltreffer herausstellen."

tagesspiegel.de/.../...
#44 Kommentar Verantwortung: demokratische PflichtFall Ada 2017-08-11 07:55
Liebe Renner-Kritiker,
Tim Renner trägt ja weiterhin die Hauptverantwortung für die Berufung Dercons (und weitere kulturpolitische Fehlentscheidungen).
Er kandidiert für den Bundestag in Berlin, leider auch mit einem recht guten Listenplatz. Vielleicht mögen die Berliner hier mal ihre demokratische Pflicht tun, ihn verhindern oder zumindest dafür sorgen, dass in der SPD klar wird, dass mit diesem Mann kein Staat zu machen ist?
Danke!
#45 Kommentar Verantwortung: Peymann in WienSusanne Peschina 2017-08-11 10:06
Ohne auf die Problematik Dercon/Volksbühne/Castorf im Detail eingehen zu können, dazu fehlt mir als Wienerin einfach der nötige Durchblick, möchte ich zur sichtlich jetzt auch in politischen Kreisen aufkommenden Forderung bzw. Erwartung der Aufgabe durch Dercon etwas zu bedenken geben.

Auch in Österreich gab es einst einen Kulturkampf mit einer ähnlichen Heftigkeit und ähnlichen Kampfmethoden. Nämlich rund um Peymann als das Österreichische Nationaltheater von „Piefkes“ mit ihrer Stadttheater-Erfahrung „okkupiert“ wurde. Die Anzahl der Unterschriften war ähnlich hoch, Scheiße wurde verschickt, Misthaufen vor dem Burgtheater errichtet.

Aber das Blatt wendete sich. Die Stadttheater-Schauspieler, die Voss, Dene, Schwab etc. hießen, wurden Publikumslieblinge, das Burgtheater wurde für mehr als ein Jahrzehnt das erfolgreichste Theater im deutschen Sprachraum schlechthin, noch nie wurden so viele österreichische Autoren gespielt und der „Oberpiefke“, dem am Anfang Ähnlichkeit mit Hitlers-Einmarsch nachgesagt wurde, ist heute in Wien ein herbeigesehnter Theatermacher und Publikumsmagnet.

Die damalige Ministerin sagt heute in einer Geburtstagsgratulation zum 80sten Geburtstag. „Unbedingt möchte ich noch erwähnen, dass Peymann das Burgtheater geöffnet hat. Die Abonnenten aus den bürgerlichen Bezirken, die "Lodenmantelträger" und "Nerzjackerldamen" blieben der Burg treu, aber zusätzlich füllten die Jugendlichen in Jeans den 3. Rang“.

All die tollen Theaterjahre hätte es für Wien nicht gegeben, hätte Peymann gleich die Flinte ins Korn geworfen. Ich würde das Experiment wagen unter zur Kenntnisnahme der vorauseilenden Kritik.
#46 Kommentar Verantwortung: verantwortliche PolitikerBeobachter 2017-08-11 12:06
#44 Vielen Dank für Ihren Beitrag:

"Tim Renner trägt ja weiterhin die Hauptverantwortung ... Vielleicht mögen die Berliner hier mal ihre demokratische Pflicht tun, ihn verhindern oder zumindest dafür sorgen, dass in der SPD klar wird, dass mit diesem Mann kein Staat zu machen ist?"

Die aktuell (politisch) Hauptverantwortlichen sind Michael Müller und Klaus Lederer. Bislang wurden von beiden (...) keine Maßnahmen ergriffen.
#47 Kommentar Verantwortung: andere Situation als in Berlinmartin baucks 2017-08-11 15:05
Es ist zum Mäuse melken, liebe Susanne Peschina. Es ist eben nicht so, wie damals in Wien. Wenn es doch nur so wäre, dass Dercon ein hervorragendes Ensemble hätte und ein Repertoire aufbauen wollte. Aber so ist es leider nicht. Und ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass Peymann zur Eröffnung drei Gastspiele aus, sagen wir Marseille eingekauft hatte, um sie dann in Wien zu präsentieren.

Den Vorwurf der vorauseilenden Kritik muss man weit von sich weisen. Es geht eben nicht gegen die Künstler. Die können einem jetzt schon leid tun. Da erwartet eine ganze Stadt zurecht ein neues Konzept, neue Inhalte und eine neue Ästhetik für die Volksbühne, und eben ein neues interdisziplinäres Ensemble, und bekommt statt dessen Gastspiele von einem, der in Berlin nicht unbekannt ist. Es geht doch nicht gegen Charmatz oder Attar als Künstler, weit gefehlt. Es geht gegen die neue Betriebsstruktur die Dercon installieren will, nein, die er schon installiert hat. Und daran wird sich so schnell auch nichts mehr ändern, weil auch im nächsten Januar nicht plötzlich ein Ensemble am Baum wächst, dass Dercon engagieren könnte, denn zu dem Zeitpunkt sind immer noch alle, die in Frage kämen, wahrscheinlich längst gebucht. Und dabei ist es völlig unerheblich, ob diese Situation nun aus Not oder willentlich entstanden ist, denn Dercon wird sie auch in näherer Zukunft nicht mehr ändern können, da er schon in der Vorbereitungszeit versagt hat, die er nicht mehr aufholen kann, zuletzt auch deswegen versagt hat, weil ihm letztendlich eben auch der Wille fehlt wirklich ein Ensemble aufzubauen, wie er und Piekenbrock es immer wieder zum Ausdruck bringen. Da wird ganz klar gestellt, man kann es im Wortprotokoll des Kulturausschusses nachlesen, dass ein Ensemble, ich zitiere frei, kein Versorgungs- und Sicherheitsvehikel für seine Mitglieder sei, und das man schlussendlich kein einziges Mitglied fest engagiert habe. Es fehlt am Willen, nicht an der Gelegenheit. Und das darf man bewerten und kritisieren.

Dass dabei auch Künstler beschädigt werden, zum Beispiel die jungen Frauen aus Syrien, die bei Attar spielen, allesamt Laien, wie man annehmen muss, macht die Sache nur noch schlimmer. Dercon kann in keine Richtung Schutz gewähren, weder gegenüber der Struktur des Hauses, noch gegenüber den Künstlern, die bei ihm gastieren, dass macht die Geschichte so unendlich gruselig.
#48 Kommentar Verantwortung: kein Ensemble in BerlinStefan Bock 2017-08-11 15:49
@ Susanne Peschina
Wie sie es schreiben, Peymann hatte ein hochkarätiges Ensemble, das teilweise immer noch an der Burg agiert. Das hat Dercon nicht. Und das ist das Problem. Er bestreitet ein Programm mit meistenteils Gastspielen, die nach kurzer Spielzeit wieder auf Tournee gehen. Auch wenn manche mich da gleich wieder als Lügner bezeichnen wird, man kann es nicht anders nennen.

Peymann ist außerdem wegen ganz anderer Dinge Mist vor die Tür gekarrt worden. Und das auch nicht von Fans der alten Burg, sondern von Rechtsradikalen und ewig Gestrigen, angestachelt von der FPÖ. Da ist der Fall Volksbühne doch noch etwas anders gelagert. Und als Beispiel für einen gelungen Start kann man durchaus schon vorab das Programm von Reese am neuen BE loben. Auch wenn Claus Peymann das anders sieht.
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