Kein Bedarf an Millionen?

5. April 2016: Berichten der Süddeutschen Zeitung sowie der Augsburger Allgemeinen Zeitung zufolge formiert sich Widerstand gegen die geplante Sanierung des Theaters Augsburg.

Acht Monate nach dem Beschluss des Stadtrats (wir berichteten) wendet sich ein Bürgerbündnis gegen den Finanzplan der Stadt. Am Samstag solle mit der Sammlung von Unterschriften begonnen werden, so die SZ, nach deren Informationen sich das Bündnis "Initiative Kulturelle Stadtentwicklung Augsburg" nicht grundsätzlich gegen die Renovierung des Theaters richtet, sondern befürchte, das 189-Millionen-Euro-Projekt gefährde die Leistungsfähigkeit der Kommune.

Kurt Idrizovic, der Kopf der Bürgerinitiative, lässt sich in der Augsburger Allgemeinen Zeitung folgendermaßen zitieren: "Wir sind weder Theaterverhinderer noch Gegner der Sanierung." Eine so hohe Summe mache es jedoch nötig, alle Bürger abstimmen zu lassen.

Ein solcher Fall, in dem sich Bürger gegen die schon geplante Sanierung einer brandgefährdeten Bühne ausbremse, sei "entschieden neu", wundert sich Bühnenverein-Direktor Rolf Bolwin: "Augsburg bekommt für die jahrzehntelang aufgeschobene Sanierung des Theaters 107 Millionen Euro vom Freistaat, das sind knapp zwei Drittel der Gesamtkosten. Eine solche Investition in den Wert einer Stadt schlägt man doch nicht einfach aus. So etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben."

Intendantin Juliane Votteler zeigte sich gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung in einem weiteren Bericht "entsetzt über die Verquickung der Argumente und das Hervorheben der Eigeninteressen dieser scheinbar im Sinne der Bürger sprechenden Gruppe". Votteler befürchtet, dass hier "nicht gewählte und autorisierte Personen die Kulturpolitik Augsburgs bestimmen" wollen.

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Bürgerbegehren: Für ein neues Theater ohne Schulden - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Buergerbegehren-Fuer-ein-neues-Theater-ohne-Schulden-id37372617.html

Idrizovic weist diese Vorwürfe zurück. Da die Stadt  auf Argumente der Kritiker nicht reagiert habe, habe die Initiative keine andere Wahl gesehen, als zu diesem "letzten legitimen demokratischen Mittel" des Bürgerbegehrens zu greifen.

Für die Durchsetzung eines Bürgereintscheids wären 11.000 Unterschriften vonnöten.

 

(Augsburger Allgemeine, SZ, miwo)

 

Mehr zum Thema:

Meldung 30. Juli 2015: Theater Augsburg: Sanierung beschlossen

Meldung 2. Juli 2015: Land Bayern springt für Sanierung von Theater Augsburg ein

Meldung 5.2.2016 Finanzierung der Augsburger Theater-Sanierung unklar

 

 

 

 

 

Kommentare  
#1 Presseschau Augsburg: Oh doch!Oh doch! 2016-04-07 17:37
Oh doch, Herr Bolwin, das gibt's sehr wohl. Zumindest das Bestreben und zwar in Schwäbisch Hall. Hier war der Neubau eines Theaters nötig geworden, weil das Haller Globe Theater, ein charmantes Holzprovisorium, so sehr in die Jahre gekommen war , dass es nicht mehr zu sanieren ist. Also plante man ein neues Theater, im Vergleich zu Augsburg um einiges billiger, nämlich für 5,2 Millionen. 4 Millionen wurden schon mal in den Haushalt eingestellt und dann gab es einen Sturm der Entrüstung. Auch hier wurde ein Bürgerentscheid gefordert.Es ging nicht einmal um eine zweite Spielstätte, die war unumstritten, sondern darum, ob diese zweite Spielstätte ein Neubau sein soll oder doch eine irgendwie geartete Sanierung. Im Gemeinderat wurde der Bürgerentscheid abschlägig beschieden, eine Zweidrittelmehrheit wäre vonnöten gewesen. Das Argument gegen den Bürgerentscheid war, dass immerhin der Gemeinderat die demokratisch legitimierte Vertretung der Bürgerschaft sei und deshalb ein Bürgerentscheid nicht nötig sei. Der Neubau wurde dann beschlossen und seither ist Ruhe.
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